Symposium zur Rechenschaft vom Glauben

Die "Rechenschaft vom Glauben" ist seit 1977 im BEFG und in den Baptistenbünden Österreichs und der Schweiz als Bekenntnisschrift in Gebrauch. Was Baptisten glauben, kann man hier nachlesen. Zur Vorbereitung auf das 50-Jahre-Jubiläum 2027 führte die Theologische Hochschule Elstal vom 12.-14.06.2025 ein Symposium durch, das die "Rechenschaft vom Glauben" (RvG) vor allem aus ökumenischer Perspektive beleuchten sollte.
Prof. Dr. Friederike Nüssel (Heidelberg) brachte die lutherische Bekenntnishermeneutik ins Gespräch mit der RvG. Die RvG entstand unter Absprachen auf Augenhöhe anhand eines Konsensprinzips. Auch heute beruht die Aufnahme des Bekenntnisses auf Freiwilligkeit. In der lutherischen Kirche ist dies auf Landesebene dagegen mehr top-down gestaltet. Auf Ebene des Lutherischen Weltbunds aber geschieht die Kommunikation des Glaubens auf Augenhöhe in einem partizipativen Konsensprinzip, hier besteht eine Parallele zur RvG. Theologische Anknüpfungspunkte aus lutherischer Perspektive waren für Nüssel die menschliche Freiheit und Sünde. In der Diskussion wurde sich besonders auf den Begriff der Gottesherrschaft fokussiert. Carsten Claußen betonte den Gottesherrschaftsbegriff als Gegenbewegung zur Gefahr der Vereinzelung im Kongregationalismus.
Prof. Dr. Margit Ernst-Habib (Frankfurt am Main) brachte den ev.-reformierten Umgang mit Glaubensbekenntnissen anhand des Satzes „Die Mutter des Bekenntnisses ist der Glaube“ ein. Wenn die Mutter des Bekenntnisses der Glaube ist, werden alle Bekennenden zu Glaubensgeschwistern. Nach Ernst-Habib wird im reformierten Verständnis für die ganze Christenheit bekannt. Die Glaubensbekenntnisse sind für die Lehre und das christliche Leben richtungsgebend, müssen aber neu austariert, wenn der Heilige Geist eine neue Erkenntnis ermöglicht. Bekenntnisse changieren fortlaufend zwischen Autorität und Vorläufigkeit. Die Bekenntnisse gelten "bis auf Weiteres" betont Ernst-Habib mit Karl Barth und beschreibt damit eine Offenheit zur zukünftigen Korrektur oder Neufassung eines Bekenntnisses.
Prof. Dr. Stephan von Twardordski von der TH Reutlingen stellte dar, dass der Methodismus keine eigenen Bekenntnisse als Gesamtkirche verfasst hat und Glaubensbekenntnisse nur in regionaler Verschiedenheit eine Rolle gespielt haben. Prof. Dr. Markus Iff von der TH Ewersbach ging darauf ein, dass die Freien ev. Gemeinden kein bundesweites Glaubensbekenntnis haben, dafür aber alternative Formen der gemeinsamen Lehre finden. Bekenntnishermeneutisch führt er von M. Seewald den Begriff des Prädispositivs für Glaubensbekenntnisse an.
Ergänzend zur ökumenischen Perspektive wurden drei Vorträge von Mitgliedern des Elstaler Kollegiums gehalten. Martin Rothkegel gab einen Überblick über die Verwendung von Glaubensbekenntnissen im englischen und deutschen Baptismus bis zur Rechenschaft vom Glauben. Erkenntnisreich war der Blick in den Anfang des Baptismus, da hier Bekenntnisse eine größere Rolle als heute spielten. In einem weiteren Vortrag stellte er die mennonitische Perspektive anhand eines kirchengeschichtlichen Rückblicks auf die ersten täuferischen Bewegungen und Traditionen lebendig dar. Oliver Pilnei wies die bleibende Relevanz von Glaubensbekenntnissen im Gottesdienst und christlichem Leben auf. Außerdem stellte er eine eigene Untersuchung zur Nutzung von Glaubensbekenntnissen auf den Websiten von Gemeinden des BEFG dar, die zeigt, dass sich nur wenige Verweise auf die Rechenschaft vom Glauben finden.
In der abschließenden Podiumsdiskussionen wurden bekenntnishermeneutische Fragen diskutiert, ein paar Themen vertieft, aber auch die Gegenwart in den Blick genommen: Ist mit der RvG weiterzuarbeiten und ihre Bekanntheit in den Gemeinden zu stärken oder aber ein neues Bekenntnis zu verfassen? Die Diskussion war hier durchaus divers, da manche Teile der RvG überarbeitungswürdig wären, manche aber auch einen bleibenden Wert in ihrer Weite haben. Kontrovers wurde auch die Nutzung der Bibelstellen am Rand der RvG diskutiert, die teilweise eine gute Passung aufweisen, aber sich in weitem Umfang einer einfachen Zuordnung zum Text entziehen.
Das Symposium hat viele spannende Fragen aufgeworfen und gibt viel zum Bekenntnis zu bedenken. Die ökumenische Perspektive hat den Blick geweitet und Fragen aufgeworfen, wie die RvG als Bekenntnis zu verstehen ist. Schließt das Bekenntnis unser Verständnis der Schrift auf? Wie verpflichtend will so ein Glaubensbekenntnis sein? Wie ist das Verhältnis von Autorität und Offenheit auf neue Erkenntnisse des Heiligen Geistes zu denken - also wie groß wird das 'bis auf weiteres' geschrieben? An diesen Fragen gilt es weiterzuarbeiten, um die RvG verstärkt ins Leben der Gemeinden zu bringen.
Für die Organisation der Tagung ist vor allem Prof. Dr. Carsten Claußen und Prof. (em.) Dr. Uwe Swarat zu danken.


